Liebe Leserinnen und Leser,

in diesem Bereich lassen wir Start-ups zu Wort kommen. Viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen sind bestrebt, Lösungen zu finden, die den Praxisalltag erleichtern sollen. Im folgendem Gast-Beitrag stellt Herr Silver Mikk und sein Team Ihnen Dermtest vor, ein Produkt das sich an Hausärzte und Dermatologen richtet und nicht nur Ihnen, sondern auch Ihren Patienten Zeit ersparen soll:

Was ist Dermtest?

Dermtest verbindet Hausärzte und Dermatologen. Hausärzte können ihren Patienten mit Hilfe von Dermtest eine schnelle Expertenmeinung zu einem verdächtigen Muttermal bieten. Dafür statten wir Hausarztpraxen mit einem zertifizierten Dermatoskop und einer Software aus, über die Sie mit erfahrenen Hautärzten kommunizieren können.

Das ganze funktioniert so:

  • Sie erheben die Patientenanamnese mit Hilfe eines strukturierten Fragebogens.
  • Mit Hilfe des digitalen Dermatokops erstellen Sie Bilder von den verdächtigen Nävi und laden diese in Ihren Computer.
  • Sie wählen einen Hautarzt aus und senden diesen Ihre Aufnahmen.
  • Der Hautarzt loggt sich in die Software ein und antwortet Ihnen innerhalb von 1-3 Tagen.
  • Sie erhalten die Antwort mit Empfehlungen zur weiteren Behandlung und können die Ergebnisse und einen ausführlichen Untersuchungsbericht an den Patienten weitergeben.

Dieses Verfahren wird auch asynchrone Teledermatoskopie genannt und ist international anerkannt und wird in vielen Ländern wie den Niederlanden und England eingesetzt. Unsere Software stammt aus Nord-Europa und wird mittlerweile in 3 EU-Ländern eingesetzt.

Wer steckt  hinter Dermtest?

Dermtest wurde 2013 von Dermatologen und Dermato-Onkologen der Dr. Niine Hautklinik in Tallinn und ein paar aktiven Hausärzten in Bewegung gesetzt. Das Ziel war ganz klar – Die Versorgung auf dem Land verbessern. “Als Dermato-Onkologin konnte ich es nicht mehr verantworten, dass meine Patienten teilweise Monate auf einen Termin in meine Praxis warten mussten und dafür auch noch extra den langen Weg vom Land in die Hauptstadt auf sich nahmen. “ Inzwischen ist das Team von Dermtest gewachsen:

(von links: Hannes Lehemets (CTO),Raul Niin (Leiter der Hautklinik und Co-Founder von Dermtest) , Julianna Šeleg (Krankenschwester), Dr. Marianne Niin (Dermato-Onkologin ), Riina Hallik (Research Manager, CRO), Priit Kruus (Geschäftsführer, CEO)

 

Welche Vorkenntnisse brauche ich als Arzt im Umgang mit Ihrem System?

Für den Umgang mit dem System sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Alle Schritte sind standardisiert und so aufgebaut, dass man bei normalem Gebrauch keine Fehler machen kann. Das Ziel der Software ist es die Teledermatoskopie möglichst einfach für alle Hausärzte möglich zu machen.

Sie benötigen lediglich einen Computer mit Internetanschluss. Die Software ist webbasiert und über den Browser erreichbar. Alle Daten werden jedoch sicher in Deutschland aufbewahrt.

Kann meine Arzthelferin das System ebenfalls nutzen?

Die Untersuchung kann auch von Arzthelfern ausgeführt werden. In Estland werden bereits die meisten Untersuchungen von Arzthelfern ausgeführt und an den Dermatologen weitergeleitet. Der Hausarzt wird erst dann eingeschaltet, wenn das Konsil vom Dermatologen eintrifft. Unsere Software erlaubt zudem die Erstellung eines übersichtlichen Untersuchungsberichts, der dem Patienten ausgedruckt werden kann.

In Deutschland können wir uns vorstellen, dass Dermtest als mögliche Zusatzleistung zum Hautkrebs-Screening angeboten wird. Wenn der Hausarzt beim Screening ein oder mehrere verdächtige Muttermale entdeckt, kann seine Arzthelferin diese fotografieren und an einen Dermatologen weiterleiten. Wegen 1-2 verdächtigen Muttermalen sollte der Patient nicht extra zum Hautarzt gehen.

Kann ich die Daten an jeden Hautarzt schicken oder muss er ebenfalls an Ihr System angeschlossen sein? Und wenn ja, wie finde ich diesen?

Hausärzte haben die Möglichkeit sich den Dermatologen des Vertrauens aussuchen. In Deutschland haben wir im Moment einen Dermatologen, dem Sie die Daten zusenden können. Falls Sie aber lieber mit einem Dermatologen aus ihrem Ärztenetz zusammenarbeiten wollen, kann sich dieser kostenlos bei uns registrieren. Schreiben Sie uns einfach an und wir zeigen Ihnen, wie das System genau funktioniert. Für Dermatologen haben wir auch eine Vielzahl von Testfällen mit deren Hilfe man ein Gespür für die Teledermatoskopie entwickeln kann.

Was kostet mich die Anschaffung? Kann ich Ihr System auch testen?

Sie können das System kostenlos testen. Als Hausarzt brauchen Sie ein digitales Dermatoskop zum fotografieren der Muttermale. Dieses müssen Sie sich aber nicht sofort anschaffen, sondern können auch eins von uns mieten. Wenn Sie nach ein paar Monaten feststellen, dass der Service doch nichts für Ihre Patienten ist, schicken Sie das Dermatoskop einfach wieder zurück an uns.

Dermatologen, die das System gerne kennen lernen wollen, können uns anschreiben. Wir haben eine Testumgebung, mit der die Hautärzte die Teledermatoskopie kostenlos ausprobieren und somit ein Gespür für Dermtest entwickeln können.

Wie übertrage ich die Daten?

Die Daten werden über eine webbasierte Software übertragen und an den gewählten Dermatologen weitergeleitet. Natürlich benutzen wir stets sichere SSL Verbindungen und verschlüsseln unsere Daten stets. Alle Ärzte haben nur Zugriff auf ihre Patienten.

Im Moment lassen wir unsere Software auch zusätzlich in Deutschland zertifizieren, damit unsere Ärzte Ihren Patienten zeigen können, dass deren Daten sicher sind.

Wie ist das mit dem Datenschutz?

Natürlich haben wir uns intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt, bevor wir nach Deutschland gekommen sind. Zum Glück ist die estnische und deutsche Gesetzgebung hier ziemlich ähnlich und wir machen alles richtig. Wichtig ist, dass der Patient vor der Untersuchung die Einwilligungserklärung unterschreibt. Damit sind Sie als Arzt ebenfalls auf der sicheren Seite.

Aber wie sieht es mit dem Fernbehandlungsverbot aus?

Auch damit haben wir uns beschäftigt und bei verschiedenen Experten aus dem deutschen Gesundheitswesen nachgefragt. Was wir mit Dermtest machen ist absolut erlaubt und fällt nicht unter das Fernbehandlungsverbot. Mit Dermtest tauschen Ärzte Telekonsile aus und der Patient ist im direkten Kontakt mit dem Hausarzt. Tatsächlich gibt es bereits ähnliche Projekte wie PädExpert, die ebenfalls den Austausch von Telekonsilen im ambulanten Bereich anbieten und damit guten Erfahrungen gemacht haben.

Die Kernfragen bei digitalen Lösungen ist immer, ob diese auch medizinisch Sinn machen. Mit Dermtest haben wir in Estland alleine bereits mehr als 6.000 Fälle abgewickelt und können dies zeigen. In etwa 80% der Fälle war kein Besuch zum Hautarzt erforderlich und bei etwa 90 Fällen konnte der Patient direkt mit Krebsverdacht zum Chirurgen weitergeleitet werden. Das spart unnötige Wartezeiten zum Dermatologen und verkürzt Behandlungswege von Patienten.

Welchen Mehrwert habe ich für mich/meine Patienten?

Der grosse Vorteil für den Patienten ist ganz klar die schnelle Gewissheit. Angenommen mein Hausarzt hat bei einem Hautkrebs-Screening ein verdächtiges Muttermal gefunden. Dann bin ich als Patient natürlich erstmal richtig besorgt.

Mit Dermtest hat mein Hausarzt die Möglichkeit ein dermatoskopisches Bild von dem verdächtigen Muttermal zu machen und an einen Dermatologen weiterzuleiten. Die Antwort erhält der Arzt bereits am nächsten Tag und kann mich entweder beruhigen oder schneller zum Chirurgen weiterleiten. In beiden Fällen habe ich als Patient ganz klar einen Vorteil.

Wie funktioniert  das mit der Abrechnung?

Wichtig ist, dass alle beteiligten Ärzte einen fairen Lohn für die Leistung erhalten. Gleichzeitig muss natürlich alles mit möglichst wenig Aufwand verbunden sein und transparent sein. Deswegen zahlt der Patient direkt an den Hausarzt, der die Untersuchung durchführt. Von diesem Geld geht am Ende vom Monat ein Teil an den Dermatologen, der den Fall behandelt hat. Unsere Software führt gleichzeitig eine Statistik darüber, welcher Dermatologe wie oft welchen Hausarzt konsultiert hat und am Ende vom Monat erstellt unsere Software die Rechnungen für die Hausärzte.

Hausärzte können die Untersuchung also sofort abrechnen und die Dermatologen erhalten Ihren Lohn am Ende vom Monat. Das Funktioniert bisher richtig gut. Ein Dermatologe in Estland hat erst neulich Konsultationen für mehr als 1000€ im Monat durchgeführt.

Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?

Der Service wird leider noch nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen und kann demnach nur als iGeL angeboten werden. Dies ist ein Punkt, an dem wir noch arbeiten müssen aber die Einführung der EBM-Ziffern für die Videokonsultation und Teleradiologie zeigt sicherlich, dass die  Telemedizin in Zukunft ein fester Bestandteil der Versorgung sein wird.

Haben Sie noch Fragen oder benötigen Sie weiterführende Informationen? Dann besuchen Sie unsere Homepage oder schreiben Sie uns: info@dermtest.com

Autor: Siver Mikk (Product Manager)

Anmerkung von WBSIN: 

Aktuelle Informationen zur Kostenübernahme von Krankenkassen erhalten Sie hier: https://www.dermtest.com/fur-arzte/vergutung

Bilder zur Verfügung gestellt von: Dermtest UG